Leseprobe:
 
Ute kommt zu spät:
Guten Tag! Wo ist denn Fräulein Gärtner?
 
Frl. Zimmermann:
Das interessiert doch jetzt nicht. Zu spät kommen und dann noch dumme Fragen stellen, das habe ich gern! Setz dich sofort auf deinen Platz! Ich möchte jetzt von euch wissen, ob ihr in der letzten Zeit ein Gedicht gelernt habt. - Ja?
 
Elisabeth meldet sich.
 
Elisabeth:
Fantasie von Übermorgen. Und als der nächst Krieg begann, da sagten die Frauen: Nein!
 
Frl. Zimmermann:
Sofort aufhören! Ist dieses Gedicht nicht von Erich Kästner? Der hat doch nur Entartetes geschrieben, und seine Bücher sind doch auch am 10. Mai mit verbrannt worden. Dieser Herr Kästner macht sich hier wohl lustig über unsere tapferen Soldaten, die im Weltkrieg für unser Vaterland gekämpft haben und dafür gefallen sind! Das Gedicht gefällt mir nicht. Ich möchte es nicht mehr hören.
Holt eure Lesebücher raus.
 
Lehrerberatung und Anmeldung
 
 
Das "Heil Hitler" fiel Julia schwer ...
Ein Angebot zu einem erfahrungsorientierten Umgang mit dem Thema „Schule in der Nazi-Zeit".
 
Kern dieses Angebotes sind zwei Theaterszenen, die vom
Schulmuseum Bremen in einem einjährigen Arbeitsprozess mit einer Schultheatergruppe des 8. Jahrganges, ihrer Lehrerin und mit Zeitzeuginnen erarbeitet wurden.
Die erste Szene, eine Deutschstunde, spielt im Herbst 1933. Die Schülerinnen lernen Gedichte kennen von Erich Kästner, Baldur von Schirach und Egon Brausach. Sie erleben die Einführung des Hitlergrußes sowie einen Lehrerinnenwechsel aus politischen Gründen. Sie erfahren die Diskriminierung ihrer jüdischen Mitschülerin Esther.
Die zweite Szene spielt drei Jahre später, also 1936. Sie handelt von einer Rechenstunde in der selben Schulklasse. Inzwischen sind drei Mitschülerinnen „Jungmädel" geworden. Sie würden gerne ihre demokratisch eingestellte Mathematiklehrerin denunzieren, werden aber von anderen Schülerinnen daran gehindert. Gerechnet werden müssen ideologisch gefärbte Textaufgaben aus dem Bremer Rechenbuch, Heft 8. Die jüdische Mitschülerin Esther ist nicht mehr da, ihr Verbleib ungewiss...
 
 
Zum Ablauf des Angebotes
 
 
Einführung in das Thema anhand von Objekten, Bildern und Dokumenten aus Schule und Alltag der Nazi-Zeit.
 
 
Begegnung mit dem Gestus der Nazi-Zeit mittels Übungen
    aus der Theaterpädagogik.
 
 
Lesen und Besprechen der beiden Szenen in Halbgruppen.
 
 
Szenische Lesung, d.h., gegenseitiges Vorlesen/Vorspielen
    der beiden Szenen.
 
 
„Abschütteln" der Nazi-Zeit und gemeinsame Nachbesprechung
 
 
Vorbereitung
Der Museumsbesuch sollte möglichst in eine Unterrichtseinheit oder
ein Projekt eingebunden sein. Zeit zur Nachbereitung in der Schule einplanen. Material zur Vorbereitung kann auf Wunsch zugeschickt werden.