1. "Das Brot der frühen Jahre" von Herbert Vesely, BRD 1962
 
Der Film nach einer Erzählung von Heinrich Böll erzählt die unspektakuläre Geschichte eines deutschen Durchschnittsbürgers, der sich in ein Mädchen aus seiner Heimatstadt verliebt und seine bisherigen Lebenspläne über Bord wirft.
 
2. "ES"  von Ulrich Schamoni, BRD 1966
 
In unaufgeregten, fast spielerischen Bildern schildert der Film die Beziehungskrise eines jungen Paares und wurde damit einer der ersten Filme, die bundesdeutsche Realitäten des alltäglichen Lebens nachzuzeichnen suchten. Regisseur Ulrich Schamoni wendet sich dabei gegen die Konventionen des Unterhaltungskinos der 50er und 60er Jahre. Damit wurde dieser Film als Auftakt des "jungen deutschen Films" berühmt.
 
3. "Der junge Törless" von Volker Schlöndorff, BRD 1966
 
Dieses Filmdrama ist die Verfilmung des Romans "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil, in dem ein Außenseiter Opfer sadistischer Quälereien seiner Mitschüler wird. Der Film erhielt im gleichen Jahr den "Preis der Filmkritik" bei den Filmfestspielen in Cannes.
 
4. "Abschied von gestern" von Alexander Kluge, BRD 1966
 
Nach einigen Kurzfilmen dreht einer der Wortführer der Oberhausener Gruppe, Alexander Kluge, seinen ersten Spielfilm nach der Erzählung
"Anita G." aus seinem Buch "Lebensläufe". In dem Film geht es um ein Mädchen, dem es nicht gelingt, weder im Osten noch im Westen Fuß zu fassen. Von einigen Kritikern als "bester deutscher Film seit 1933" bezeichnet, erhält der Film neben dem "Silbernen Löwen" in Venedig weitere internationale und nationale Preise.
 
5. "Spur der Steine" von Frank Beyer, DDR 1966
 
Der Film von Frank Beyer nach dem Roman von Erik Neutsch entstand in den DEFA-Studios der ehemaligen DDR und wurde 3 Tage nach der Uraufführung verboten. Erst 1990 wurde er bei der Berlinale in der BRD gezeigt. Der Film beschreibt den sozialistischen Alltag beim Aufbau eines Kombinats, den allseits herrschenden Mangel an Fachkräften und Material und die bornierten Vorgaben der DDR-Planwirtschaft.
 
6. "Der sanfte Lauf" von Haro Senft, BRD 1967
 
Ein junger aufstrebender Ingenieur (Bruno Ganz) verliebt sich in die Tochter eines reichen Bauunternehmers und wird ohne sein Wissen von ihrem Vater beruflich gefördert.Am Ende bleibt offen, ob er den sanften Weg der Anpassung weitergehen oder sich für eine unabhängige Existenz entscheiden wird. Stilistisch und in seiner nachdenklich-kritischen Haltung zeigt der Film deutliche Sympathien für Leistungsverweigerer.
 
7. "Tätowierung" von Johannes Schaaf, BRD 1967
 
Dieser Film ist ein präzises und interessantes Zeitbild der sechziger Jahre, das die Welt der Jungen Menschen authentisch mit Pop, Jazz, Moped und Fußball zeichnet, während die Vertreter der Erwachsenenwelt zu Klischeefiguren geraten. Zudem zeigt er ein plastisches Bild von Berlin und der Mauer.
 
8. "Zur Sache, Schätzchen" von May Spils, BRD 1968
 
Der Kultfilm war 1968 der Überraschungshit an den Kinokassen und die erste Komödie des jungen deutschen Films, die frisch und frech den Zeitgeist traf. Werner Enke verkörpert den verschlafenen Nichtstuer Martin, der in den Tag hinein lebt. Aber dann wirbelt die Begegnung mit Barbara, der Tochter aus gutem Hause, sein Leben mächtig durcheinander.
 
9. "Neun Leben hat die Katze" von Ula Stöckl, BRD 1968
 
Ann besucht ihre Freundin, die Journalistin  Katharina, in München. Sie unternehmen Ausflüge, besuchen Cafes, Bekannte und Parties. Dabei erkunden sie in Gesprächen die Chancen weiblicher Emanzipation in einer männlich geprägten Gesellschaft. Letztlich scheitert der Versuch der beiden, aus ihren jeweiligen Abhängigkeiten auszubrechen.
 
10. "Katzelmacher" von Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969
 
"Katzelmacher" ist der zweite Spielfilm von R.W. Fassbinder und basiert auf seinem gleichnamigen Bühnenstück, das er für das "antitheater" in München geschrieben hatte. Der Film thematisiert die Neugierde, Eifersucht und Aggression einer Gruppe junger Erwachsener gegenüber einem griechischen Gastarbeiter, der das eingespielte Verhalten der Gruppe aufbricht. Mit vielen Preisen ausgezeichnet, begründet dieser Film den Weltruhm Fassbinders.
 
11. "Jagdszenen aus Niederbayern" von Peter Fleischmann, BRD ´69
 
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Martin Sperr (Hauptdarsteller des Films)und handelt von dem schwulen Abram, der nach längerer Abwesenheit in sein Heimatdorf in Bayern zurückkehrt, dort aber als Außenseiter verspottet und gedemütigt wird. Als er das Dorf verlassen will, versucht seine Freundin, ihn daran zu hindern. In Panik tötet er sie und flieht in die Wälder, worauf die Dorfbewohner Jagd auf ihn machen.
 
12. "Aguirre, der Zorn Gottes" von Werner Herzog, BRD 1972
 
Im 16. Jahrhundert bricht eine Gruppe spanischer Eroberer im Dschungel des Amazonas mit Flößen auf, um die legendäre Goldstadt El Dorado zu finden. Der machtbesessene Aguirre (Klaus Kinski) reißt die Kontrolle über die Expedition an sich und führt sie, am Rande des Wahnsinns stehend, flussabwärts in den Untergang. Das fast dokumentarische Abenteuer-Drama gilt heute als eine der herausragenden Leistungen von Filmemachern der 1970er Jahre.
 
13. "Angst essen Seele auf" von Rainer Werner Fassbinder, BRD 1974
 
In einer Kneipe lernt die Witwe Emmi den 20jährigen Marokkaner Ali kennen. Aus der Bekanntschaft wird Liebe, Ali zieht zu ihr und sie heiraten. Doch der Verbindung zwischen der 6ojährigen Putzfrau und dem Gastarbeiter begegnet Emmis Umwelt mit Vorurteilen und Feindseligkeit. Eine Situation, die zur Belastungsprobe für das ungleiche Paar wird. Der Film lief als deutscher Beitrag bei den Filmfestspielen Cannes 1974 und wurde mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet.
 
14. "Falsche Bewegung" von Wim Wenders, BRD 1975
 
Der junge Wilhelm Meister will Schriftsteller werden. Seine Mutter überredet ihn, eine Reise durch Deutschland zu unternehmen, um seinen Horizont zu erweitern. In Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre", auf dem das Drehbuch von Peter Handke basiert, war eine solche Reise noch eine "richtige Bewegung", denn das Reisen war damals eine erfolgreiche Suche nach der eigenen Identität. Aber der Wilhelm aus "Falsche Bewegung" muss schmerzhaft erleben, dass eine Reise heute nicht mehr zum ersehnten Ziel führt.
 
15. "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Volker Schlöndorff, BRD 1975
 
Auf einer Karnevalsparty lernt die junge Katharina den attraktiven Ludwig kennen und verliebt sich in ihn. Sie ahnt nicht, dass Ludwig als Deserteur und Anarchist gesucht wird. Die Nacht, die sie mit ihm verbringt, verändert ihr Leben. Sie wird verhaftet, verhört und gedemütigt. Die Boulevardpresse startet eine gnadenlose Hetzkampagne gegen sie und macht aus ihr eine Verbrecherin. Die Romanvorlage stammt von Heinrich Böll. Entstanden ist ein emotionaler, zutiefst bewegender Film, der zugleich ein kluges politisches Statement ist.
 
 
 
In der Zeit vom 23.5. bis 13.6. werden an 4 Abenden von Zeitzeugen ausgewählte Filme gezeigt, jeweils um 20 Uhr im City46:
 
am 23.5. "Ich bin ein Elefant, Madame" von Peter Zadek
Einführung: Carsten Krüger (Kameraassistent des Films)
 
am 30.5. "Angst essen Seele auf" von Rainer Werner Fassbinder
Einführung: Eike Besuden (Bremer Filmemacher)
 
am 6.6. "Zur Sache, Schätzchen" von May Spils
Einführung: Evelyn Frisinger (Bremer Modeikone der 60er Jahre)
 
am 13.6. "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von
Volker Schlöndorff
Einführung: Christian Weber (Präsident der Bremischen Bürgerschaft)
 
 
 
 
Filmprogramm für Schulklassen
Das City46 bietet begleitend zur Sonderausstellung vom 14.5. - 15.6. 2918 verschiedene Filme aus den Sechziger und Siebziger Jahren an, die Sie mit
Ihrer Schulklasse besuchen können. Sie können einen Film aus der Liste
wählen und Ihre Klasse ab sofort anmelden.
 
Dieses Filmprogramm wurde für Schulklassen zusammengestellt,
um damit das Ausstellungsthema durch die Filme des "Neuen Deutschen Kinos" zu vertiefen.
 
Die Filme "Der junge Törless", "Abschied von gestern", "Der sanfte Lauf",
"Tätowierung", "Katzelmacher", "Jagdszenen aus Niederbayern",
"Angst essen Seele auf" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"
sind für Schüler*innen der Sek.II geeignet, die übrigen auch für die Sek.I.
 
Benötigen Sie weitere Informationen zu den Filmen?
Dann können Sie sich gerne an Herrn Steinhoff wenden:
T 0421-27 06 78   oder   ernst.steinhoff@nord-com.net
 
Anmeldungen unter:
T 0421-44 96 35 85   oder   info@city46.de
Schulvorführungen sind von 9 - 16 Uhr möglich.
 
Kosten
Pro Schüler*in 4 €
Filmprogramm für Schulklassen ( PDF-Download )